Viel Beifall für anspruchsvoll Neues
Das Arcanto Quartett mit Luxemburgs „ artist in residence" Tabea Zimmermann
Auch Organisation und Koordination der Programme durch die Leitung der Philharmonie sollten aus der Sicht des Konzertberichterstatters von Zeit zu Zeit einer - wenn nötig, auch kritischen - Würdigung unterzogen werden.
Reichhaltigkeit und Vielfältigkeit des Angebots, so wie sie sich in diesen Februarwochen präsentieren, verdienen vorerst allerdings nur Lob. Der lebhafte Zuspruch des Publikums erscheint als logische Konsequenz. Selbst die Gleichzeitigkeit zweier Veranstaltungen am letzten Freitagabend scheint die Quote der Auslastung nicht zu mindern. Und das bei einem veritablen Programm der Kontraste: Im großen Saal ein Meisterwerk des Musiktheaters mit der konzertanten Darbietung von Wagners „Tristan und Isolde" und im Kammermusiksaal das Arcanto Quartett mit einem Programm, in dem Werke des 20. und 21. Jahrhunderts den Schwerpunkt bilden!
Im Nachhinein erschien es besonders sinnvoll, dass das jüngste Werk, György Kurtágs „Six moments musicaux" aus dem Jahre 2005, am Beginn des Programms stand. Der Hörer wird durch die Direktheit, mit der bisher unerhörte Streicherklänge ihn anspringen, auf besonders intensive Weise in den Bann geschlagen. Vor allem die bis in die Stufe der Unhörbarkeit gleitenden Abstu fungen im Pianissimobereich, gepaart mit besonderen Klangerzeu gungstechniken, bewirken eine selten zu erlebende Konzentration im Auditorium. Eindrucksvoll auch, wie das Neue bei Kurt á g aus seiner Auseinandersetzung mit früheren Stilen, etwa dem seines Lehrers Messiaen oder dem von ihm bewunderten Janácek entsteht.
Kostbare Entdeckung
Nach Kurtág wirkte Haydns selten gespieltes Quartett op. 64 in h- moll so frisch, als wenn es mit gereinigten Gehörgängen aufgenommen worden wäre.
Hier wurde deutlich, wie stark alle Positionen des Ensembles besetzt sind: Wunderbar klar und gleichzeitig unaufdringlich die kontinuierliche Bewegung, mit der der Cellist Jean-Guihen Queyras die beiden Violinen und die Bratsche grundierte und zwischen ihren melodischen Phrasen vermittelte. Vor allem das schon stark dem Scherzo angenäherte Menuett und Finale gerieten zu Kabinettstückchen voller humoristischer Überraschungen.
Nach der Pause dann Weberns „Langsamer Satz für Streichquartett", erst lange nach dem Tod des Komponisten entdeckt und aufgeführt. Seitdem ab und zu schon einmal als Füllsel für die Restzeit
bei CD-Einspielungen herhaltend, feiert das Arcuanto Quartett ihn als kostbare Entdeckung. Das an Mahler erinnernde weitgespannte Hauptthema erscheint in Antje Weithaas' (l.Violine) voller, an den Höhepunkten geradezu wuchtiger Tongebung in Exposition und Reprise, dazwischen aber berückend zart in Tabea Zimmermanns Viola und aufgeraut brüchig im Violoncello, wozu die akkuraten Pizzicati Daniel Sepecs (2. Violine) und der übrigen Begleitstimmen Wesentliches beitragen.
Nur für ihr Finale haben die Kammermusiker ein ausgesprochenes Repertoirestück ausgewählt: Ravels Quartett in F-Dur. Hier wirken die Mittelsätze am stärksten. Das durch spanisches Kolorit gewürzte und von mitreißend virtuosem Pizzicato getragene Scherzo und der improvisatorisch angelegte langsame Satz.
Der anhaltende Beifall erzwingt mit Puccinis „Chrysanthemen" eine Zugabe, die zu den orchestralen Effekten Ravels noch einen Hauch Oper hinzufügt.