Ausführliche Rezension von Johannes Schmidt aus der Zeitschrift d'Wort vom 25.2.08
(
) spielerisch hervorragend der messerscharfe Einsatz am Anfang des fünften Quartetts, die Präzision, die Energie und die gedämpft-rhythmische Bewegtheit, ganz zu schweigen von der Genauigkeit der Intonation. Alles spricht, nichts klingt gehetzt. (
) Zweifellos ist dies eine der beeindruckendsten, der menschlichsten Interpretationen von Bartóks fünftem Quartett, die ich seit langem gehört habe (
). Auch hier [in seinem letztem Quartett] ist alles gut artikuliert, winzige Motive, die sonst meistens untergehen, werden klar (
). Ein weiterer Treffer, voller Entschlossenheit und Raffinesse, und ein würdiger Abschluss für einen, wie ich hoffe, im Entstehen begriffenen Zyklus. Na klar, wir können uns nicht über einen Mangel an Bartók-CDs beklagen, aber Interpretationen dieses Kalibers sind immer willkommen.
Gramophone , August 07
Bartóks Streichquartette werden in der Debütaufnahme des Arcanto Quartetts hervorragend interpretiert. Ihre Präzision ist göttlich, während ihr lebhafter Esprit ein feinfühliges Eingehen auf Ton und Phrasierung möglich macht. Ebenso überzeugend können sie einen furiosen Streit austragen (im ersten Satz des Quartetts Nr. 5). Und der Klang der Aufnahme ist nah, natürlich und liebevoll.
The Times , 8.6.07
Das Quartett pflegt einen ungemein differenzierten, nuancenreichen Klang. Immer wieder der dynamische Rückzug ins feinste Pianissimo. Schuberts Streichquartett Es-Dur (D 87) verliehen die Musiker damit eine Schwerelosigkeit, wie man sie ganz selten erlebt. Aber sie können auch anders. Wenn es sein muss, überraschen die vier mit expressiven Ausbrüchen. In Bartóks fulminantem Streichquartett Nr. 5 ist das häufiger der Fall. (
) Es bleibt festzuhalten: Wer Kammermusik derart spannend interpretiert, darf sich getrost in die Reihe der großen Streichquartette einreihen.
Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 3.5.07
Und dann kommt man schon ins Schwärmen: dieses gigantische Ausdrucksspektrum etwa im Haydn'schen Adagio, dieses mustergültige, an Zartheit nicht zu überbietende gemeinsame Piano und die hinreißende Transparenz im Spiel der Vier, die auch ein Jugendopus wie das Es-Dur Quartett des 16-jährigen Schubert zum Erlebnis macht. Die vielleicht berührendsten Momente dieses an Höhepunkten reichen Kammermusikfestivals aber offeriert das Arcanto Quartett zusammen mit Jörg Widmann (
). Hier müssen alle Versuche verbaler Beschreibung kläglich versagen. Nur so viel: Die Reife des Brahms'schen Spätstils findet ihre Entsprechung in der bewegenden Interpretation.
Badische Zeitung, 4.5.07
Es gab einen echten Blitz aus heiterem Himmel beim diesjährigen Festival, und das war ein Streichquartett namens Arcanto Quartett, das hier sein Debüt gab. (...) Hand aufs Herz, ich habe noch nie ein Streichquartett gehört, dass mit solcher Feinheit und Kultiviertheit spielt.
The Herald, 2.9.06
Mozarts Dissonanzenquartett stellt (
) eine Herausforderung für jedes Quartett dar, so feinsinnig und kompliziert ist die Komposition. Die Gewandtheit, mit der das Arcanto Quartett die Schichten der Musik bloßlegte, machte sprachlos. Das Niveau der Musikalität und dieses undefinierbare Gefühl, das vier Musiker sich nahtlos in eine unteilbare Einheit zusammenfügen, charakterisierten eine aufschlussreiche Interpretation der Musik, deren Komplexität sich angesichts solch einer einträchtigen Vertrautheit auflöste. (
) Falls das überhaupt möglich ist, waren die fesselnden Interpretationen von Ravels Streichquartett und Beethovens opus 59 F-Dur Quartett noch beeindruckender, mit geschmeidigem Fluss und einem außergewöhnlichen Einverständnis zwischen den Musikern.
The Herald, 19.8.06
Der Ravel vibrierte unaufhörlich mit fesselnden Details, sein langsamer Satz wurde bereichert um eine hypnotisierend-ätherische Nuance indem die Musiker seine seidene Struktur herauskitzelten. Der Beethoven (
) hatte Rückgrat: die Dissonanzen des ersten Allegro wurden wie grob bearbeitete Steine gestaltet, die ungeschütztere Intimität des Allegrettos mit sensibler Virtuosität vorgetragen.
The Scotsman, 19.8.06
Sepec, der das Quartett in Haydns D-Dur Op 71 Nr 2 leitete, nutzte seine Erfahrung in der historischen Aufführungspraxis, um einen heiteren, leichten Klang hervorzurufen. (...) Die Struktur wurde vom ganzen Quartett klar kommuniziert und umgesetzt, der Charakter der Musik scharfsinnig erfasst, ihre harmonischen Umwege so beschildert, dass die Überraschungselemente erhalten blieben. Weithaas leitete Ravels Quartett in F-Dur, und hier war der Klang angemessen zart. Der Fluss der Musik war ungezwungen und einschmeichelnd, und wie beim Haydn fühlte man, wie sehr sich das Arcanto Quartett das Wesen der Musik angeeignet hat. (...) Dies war eine Aufführung voller Ereignisse, aber mit einem absolut stimmigen Stilbewusstsein. In Weberns Sechs Bagatellen Op 9 (
) war die Expressivität des Arcanto Quartetts höchst konzentriert und zeigte messerscharf, wie Webern all das, was gesagt werden muss, in wenigen Sekunden zusammenfasst.
The Daily Telegraph , 17.2.2006
Noch sind Konzerte des Arcanto Quartetts rar. Für den Zuhörer sind sie geradezu Konfrontationen: mit Übermusikantentum, mit einer idealen Balance zwischen Unabhängigkeit und Einigkeit, mit Perfektion oder dem, was Perfektion am nächsten kommt. Lange wird es nicht mehr andauern, aber noch kann man das Arcanto Quartett in kleinen Kammermusiksälen hören. Voriges Jahr im Konservatorium in Brüssel, letzte Woche Freitag in der Handelsbeurs von Gent. (
) Die Liste der bewundernswerten Eigenschaften des Arcanto Quartetts wäre nahezu endlos. Daher kurz und knapp die entscheidende Botschaft: Sorgen sie dafür, dass sie nächstes Mal im Saal sitzen.
De Morgen, 13.02.2006
Das Arcanto Quartett geht mit viel Blickkontakt aufeinander ein, stachelt sich gegenseitig an, ergänzt sich, brillant ausgestimmt.
Frankfurter Allgemeine Zeitung , 26. 9. 2005
Diese hochkarätige Besetzung bildet eine verschworene Gemeinschaft kammermusikalischer Individualisten, ein regelrechtes Traumensemble. (
) Ecken und Kanten hat jeder dieser Musiker. Das ist auch gut so: man begegnet sich auf Augenhöhe.
Offenbach-Post, 23.9.2005
Das sind Musiker mit starker Persönlichkeit, die viel zu geben vermögen und die dennoch sich in den Dienst des Ganzen stellen. Und die furiose Kräfte entfesseln können, wenn es sein muss und darf.
Frankfurter Rundschau, 19.9.2005
Sowohl Brahms' Klavierquintett als auch Schumanns Klavierquartett wurden hier zu fast orchestraler Mächtigkeit aufgewertet mit grandiosen Ergebnissen. Das blitzte und funkelte in jeder Note und war doch zugleich so beseelt von feuriger Inbrunst, von dermaßen unbändiger Freude an der klanglichen Vielfalt dieser Musik, dass man als Zuhörer nur staunend in Verzückung geraten konnte.
Main-Echo, 24./25.9.2005
Beethovens erstes Rasumovsky-Quartett kann man sich kaum eindrücklicher, schroffer, schärfer in der Konturierung der Kontraste wünschen. Und es war noch nicht das Ende der Steigung. Mit ihrer strukturell meisterlichen, unter die Haut gehenden Interpretation des fünften Bartok-Streichquartetts zeigten Antje Weithaas, Daniel Sepec, Tabea Zimmermann und Jean-Guihen Queyras das enorme Potenzial.
Süddeutsche Zeitung, 5.7.2005
Ihr grandioser, künstlerisch außerordentlicher Auftritt als Arcanto Quartett setzte neue Maßstäbe: Alle Vorzüge und Qualitäten solistischen Spielens sind eingebracht in ein Musizieren, das dennoch kollektiver kaum gedacht werden kann und für solche Stücke wie Mozarts G-Dur-Quartett (KV575), Brahms' Quartett c-Moll op. 50/1 sowie Mozarts Klarinettenquintett mit dem phantastischen Jörg Widmann ganz neue Dimensionen eines unerhörten Gestaltungsreichtums eröffnete. Superlative muss man sich hier nicht verkneifen und noch weniger den Wunsch, das Ensemble bald wieder zu hören.
Ostsee-Zeitung, 28.6.2005
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) beim diesjährigen Mozartfest der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern in der Heiligen-Geist- Kirche zu Wismar [gab es] eine großartige Überraschung. Das war im Nachmittagskonzert das Arcanto Quartett, das erst im vergangenen Jahr in Stuttgart sein Debütkonzert gab. Das Streichquartett besteht aus Musikern, die alle als Solisten längst bekannt sind (
) Im Quartett aber verschmelzen ihre solistischen Eigenheiten zu einem faszinierenden Ensemblespiel von unerhörter Präzision und klanglicher Ausgewogenheit. (
) Schon bei der Aufführung von Mozarts Streichquartett D-Dur KV 575 war zu erleben, wie das Spiel von einem inneren Gleichklang der Seelen gelenkt wurde. Und von einer intensiven Kommunikation untereinander durch Blick und Gestik, mit der sich die Musiker gegenseitig beflügelten und an der man wiederum die innere Übereinstimmung zwischen ihnen ablesen konnte. (
) Danach übernahm Antje Weithaas die Leitung für das c-Moll-Streichquartett von Johannes Brahms, dessen Aufführung zu einem außerordentlichen Erlebnis wurde. Welch eine Kraft in den Akkorden, welch ein Glanz in den Klangfarben! Makellos das Wechselspiel zwischen den Stimmen, und doch alles von tiefer Empfindung. Die Zuhörer waren begeistert (
).
Nordkurier, 28.6.2005
Was dieses Quartett (
) zeigte, war und dieser Superlativ ist gut durchdacht das beste Quartettspiel, das ich je live gehört habe. (
) Aus mehreren Gründen ist dieses Ensemble schon jetzt die Entdeckung des Jahres, soweit Berühmtheiten überhaupt Entdeckungen sein können. Vor allem ist hier die totale Gleichberechtigung im musikalischen Diskurs zu nennen. (
) Noch beeindruckender ist die Kombination aus Freiheit und strikter Hingabe an das musikalische Ganze, der Überfluss an technischen Möglichkeiten und gegenseitiger Bezugnahme, an Leichtigkeit und Perfektion. (
) Bei soviel Lob brauche ich nicht eigentlich nicht näher eingehen auf das Fleisch und Blut ihres Mozarts, die Perfektion ihres Brahms, den man so oft hört, aber selten so logisch, so klug und frei von eitlem Übergewicht, oder auf den grausamen Spannungsbogen ihrer Interpretation von Brahms 5. Quartett. Verpassen Sie dieses Quartett das nächste Mal auf keinen Fall.
De Morgen, 19.4.2005
Ist das die Möglichkeit? Da lässt ein gerade gegründetes Kammermusik-Ensemble die Harmonie der Welt aus dem Chaos entstehen, und nachdem es zu Beginn von Mozarts Dissonanzenquartett einen musikalischen Urgrund beschrieben hat, der wüst ist, aber keineswegs leer, findet es eine Heimat dann doch im schön gesungenen Miteinander.
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) Selbst ihr Beethoven (op.59,1), der ja immer zwischen Zeiten und Stilen steht, drang auf sanglichen Konsens, war ganz Klang und satte Farbe. Und Bartóks in Teilen überaus disparates Werk lebte vornehmlich von weiten Bögen und gemeinsamen Atemzügen. Das könnte man als allzu glatt verwerfen verfügte das Quartett, bei dem sich die Geiger am ersten Pult abwechseln, nicht über eine Spielkultur der Extraklasse. Gemeinsam sind die vier nicht nur stark, sondern auch umwerfend schön. Nach seinem überzeugend differenzierten Plädoyer für gestrichene Fülle und Harmonie darf man vom Arcanto-Quartett noch Großes erwarten. Schließlich bieten die vier Musiker eben das, was ihr Name verspricht: Saiten-Gesang der Extraklasse.
Stuttgarter Nachrichten, 26.6.2004